«Wie man als Staat seine Bürger in Ruhe lassen kann, könnte Deutschland auch mal wieder lernen» 🇨🇭🇩🇪

Hallo Sascha, möchtest du dich kurz vorstellen?
Ich bin 36 Jahre alt, komme ursprünglich aus Ostwestfalen-Lippe in Deutschland und arbeite seit Januar bei einem Schweizer Verlag für Bildungsmedien in Schaffhausen als Schulberater im Vertrieb. Privat bin ich viel mit meinem Hund draussen, spiele Tischtennis und geniesse es, die Schweiz am Wochenende zu erkunden.
Weshalb bist du in die Schweiz ausgewandert?
DEN einen Grund gab es dafür nicht. Ich habe 35 Jahre in meiner Heimat gelebt und hatte nie einen grösseren Gedanken an eine Auswanderung. 2020 bin ich dann mit einer Schweizerin in meiner Region zusammengekommen, mit der ich entsprechend regelmässig in der Schweiz war. In dieser Zeit habe ich Land und Leute sehr schätzen gelernt. Ausserdem zeigte sich parallel die immer schlechter werdende politische und gesellschaftliche Stimmung in Deutschland. Das alles hat den Gedanken wachsen lassen, den ich schon im Frühjahr 2022 versuchte umzusetzen, der dann zum Jahreswechsel jetzt endgültig gelang, obwohl die Beziehung gar nicht mehr existiert.

Wie erlebst du die Schweizer im alltäglichen Umgang, als Arbeitskollegen, Freunde, Nachbarn…?
Sehr höflich, sehr hilfsbereit, sehr positiv.
Gab es zu Beginn Probleme, weil du das Schweizerdeutsch nicht verstanden hast?
Durch den Kontakt zu Freunden und Familie meiner Ex-Partnerin hatte ich bereits einige Berührungspunkte, wodurch es mir zum Start einfacher gefallen ist, wobei sie selbst mit mir immer Hochdeutsch gesprochen hat.

Welche Unterschiede erkennst du zwischen Deutschen und Schweizern?
Mir ist es fast ein wenig früh, für ein vollständiges Bild. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass man hier in der breiten Masse noch deutlich wertebasierter ist, was mir in Deutschland zunehmend verloren gegangen ist. Man legt mehr Wert auf die eigene Lebensumwelt, auf Traditionen. Ausserdem ist mein Eindruck, dass die Schweizer viel mehr das Leben geniessen. Die kleinsten Städte bieten meiner bisherigen Erfahrung nach ein breites gastronomisches Angebot und es ist ständig was los dort. Die Leute gehen raus und leben.
«Mit den Schweizern kann man nicht in Kontakt kommen», hört man von manchen Deutschen. Wie siehst du das?
Kann ich bisher überhaupt nicht bestätigen. Die Schweizer, mit denen ich bisher in Kontakt gekommen bin, waren sehr zugänglich und offen.
«In der Schweiz ist alles teurer» sagen viele in Deutschland und meinen damit, dass sich eine Auswanderung finanziell nicht lohnt. Wie siehst du das?
Kann ich nicht bestätigen. Meine Fixkosten hier (Wohnung, Versicherungen, Krankenkasse, Sport-, Internet- und Handyabo) sind eigentlich identisch zu denen in Deutschland. Sicher sind manche Dinge etwas teurer (Essen gehen vor allem), aber ich sehe den finanziellen Aspekt in der Gesamtheit sehr positiv.
Vermisst du Deutschland?
Konkret das Land vermisse ich nicht & die Grenze ist von mir aus auch nicht weit. Wenn überhaupt vermisse ich ein Stück weit die Nähe zu meiner Heimat, zu Freunden und Familie. Da ich aber alle 3-4 Wochen dort bin, hält sich das stark in Grenzen.

Was kann Deutschland von der Schweiz lernen?
Wie man eine multikulturelle Gesellschaft harmonisieren kann. Da liegen in meinen Augen Welten zwischen diesen beiden Ländern. Aber auch Dinge wie Effizienz und Ausgabenkontrolle des Staates empfinde ich als völlig gegensätzlich. Wie man in seinem eigenen Land die Gelder richtig investiert, um als Standort attraktiv zu bleiben. Wie man als Staat seine Bürger in Ruhe lassen kann, könnte Deutschland auch mal wieder lernen.
Gibt es auch etwas, was die Schweiz von Deutschland lernen kann?
Ich habe sehr lange darüber nachgedacht und habe keinen ernsthaften Punkt gefunden. Die Anwendung der Grammatik im geschriebenen Wort maximal 😉
Was empfiehlst du Leuten, die über eine Auswanderung – in welches Land auch immer – nachdenken?
Den Gedanken ernsthaft prüfen, sich bewusst werden über die Konsequenzen daraus. Genau prüfen, wie das umgesetzt werden kann. Und dann braucht es nur noch die nötige Portion Mut. Ein Blick auf die Gesamtabgaben in der Jahresaufstellung macht es sicher nochmal leichter, wenn man überlegt, wofür diese ganzen Abgaben mittlerweile verwendet werden.
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