Silvester in der Schweiz

Dieses Jahr feiere ich schon zum siebten Mal Silvester in der Schweiz. Zeit für einen kleinen persönlichen Rückblick und einen generellen Überblick. Grundsätzlich vorneweg: Silvester ist in der Schweiz nicht so viel anders, als in Deutschland. Es wären mir – und auch Tensha – keinerlei besonderen Bräuche bekannt, wie man das aus vielen anderen Ländern kennt. Aber einige kleine Unterschiede gibt es schon.
So feiern die Schweizer Silvester
Während man an Weihnachten mit der Familie feiert, ist der Silvester in der Schweiz eher ein Fest, welches mit Freunden gefeiert wird – zuhause oder auch „im Ausgang”, also in Clubs oder Bars. Tensha – eigentlich für jedes Fest zu haben, aber neben Weihnachtsmuffel auch Silvesterverweigerin – weiss nur von Festen im Freundeskreis zu berichten: Es gibt etwas Feines zu essen, vielleicht Tischbomben, sicher Radio kurz vor Mitternacht, unbedingt Runterzählen, erleichtertes Anstossen, verhaltenes Böllern, fertig. (Schreibt mir bitte Kommentare! Es gibt sicherlich auch aufregendere Silvesterparties, oder?!)

Silvesterzauber – Zürcher Grossanlass am See
Es gibt aber (in „normalen” Zeiten) auch grosse öffentliche Events, so zum Beispiel rund um das Zürcher Seebecken. Direkt aus dem Zürichsee von drei Booten wird jeweils ein grosses Feuerwerk – genannt Silvesterzauber – in den Nachthimmel geballert. In der Stadt (Zürich) gibt es dann Foodstände mit allerlei Köstlichkeiten, Festwirtschaften und Partyzelte. Der Event lockt jährlich jeweils 150’000 Schaulustige von überall her in die Zürcher Innenstadt.
Dieses Jahr fällt der Silvesterzauber wie auch schon letztes Jahr leider coronabedingt aus. Als Trost findet dieses Jahr eine Lichtshow statt. Der Künstler Gerry Hofstetter projiziert an verschiedenen Bauwerken in der Stadt Lichtspiele. Den „Silvesterzauber Light“ kann man in der Silvesternacht von 17:00 Uhr bis 2:00 Uhr sowie am 1. und 2. Januar 2022 von 17:00 Uhr bis 23:00 Uhr zwischen Limmatquai und der Zürcher Innenstadt bewundern.
Feuerwerk in der Schweiz
Die Schweizer lassen es etwas ruhiger angehen, was das Feuerwerk im Allgemeinen angeht. Halbstündige Feuerwerksorgien wie in Deutschland machen hier in der Schweiz vor allem die Eingewanderten. Während in Deutschland dieses Jahr der Verkauf von Feuerwerksartikeln zum zweiten Mal in Folge verboten ist, gab und gibt es dies in der Schweiz weder letztes noch dieses Jahr.
Allgemeine Feuerwerksverbote kennen die Schweizer allerdings ebenfalls. Wegen Trockenheit und der damit einhergehenden Waldbrandgefahr wird den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder einmal das Böllern und Raketen abschiessen untersagt.
Vor einigen Jahren habe ich deshalb – während meiner ersten Skiferien in Scuol (Graubünden) – tatsächlich das erste Mal selber auf Feuerwerk verzichten müssen, was sich jedoch schliesslich als halb so wild herausstellte. Mit dem in der Schweiz obligatorischen Silvester-Cüpli (mit Champagner gefülltes Glas) am Feuer stehend und in den klaren Sternenhimmel schauend anstossen: Herrlich!


Silvester-Essen in der Schweiz
Klassische Silvestergerichte für Schweizer sind Raclette, Tischgrill und Fondue. Mit „Raclette” meint der Schweizer immer ausschliesslich Kartoffeln mit geschmolzenem Käse. Dazu gibt es traditionellerweise Essiggurken und Silberzwiebeln und kleine Maiskolben. Das ist klassisches Raclette.

Bei „Tischgrill” gibt es dann dazu noch verschiedene Fleischsorten (Kalb, Schwein, Rind, Poulet bzw. Hühnchen), Cipollata (kleine Kalbsbratwurst) und Speck für auf den Grill oder heissen Stein über dem Raclette-Ofen. Dazu werden verschiedene Saucen zum Verfeinern serviert, so etwa Tartar-, Curry-, Knoblauch- und Cocktail-Sauce. Aber auch die selbstgemachte Kräuterbutter darf nicht fehlen.
…und Silvester als Auswanderluchs…?
Ich als Auswanderluchs habe schon die verschiedensten Silvester in der Schweiz erlebt. Der erste war natürlich der Aufregendste – aus verschiedenen Gründen. Nach einem gemütlichen Tete-à-Tete mit Tensha und dem Erhaschen von ein bisschen Silvesterzauber-Feuerwerk aus Tenshas Altbauwohnung haben wir uns entschlossen, uns nach Mitternacht noch in die feiernde Menschenmenge in den Zürcher Strassen zu werfen. Richtig aufregend wurde es allerdings erst wieder zuhause, als wir nachts von der Feuerwehr in unserem Haus geweckt wurden, weil es bei unseren Nachbarn auf der Dachterrasse brannte…
Silvester in den Schweizer Bergen
Die nächsten Silvester haben wir entweder in den Bergen verbracht oder Gremlin-bedingt verschlafen. Eine Anekdote möchte ich aber noch erzählen, auch zum Thema Feuerwerk. Es stimmt nämlich nicht ganz, dass hier nicht geböllert wird! Als wir in unsere neue Wohnung in Wallisellen einzogen, wollte Tensha vor Mitternacht ins Bett.
Ich aber stellte klar, dass ich noch Feuerwerk schauen wolle, woraufhin sie mich auslachte. Was ich denn denken würde, was ich hier sehen könnte? Den Silvesterzauber von ennet dem Zürichberg vielleicht? Wir seien hier schliesslich in der Agglo! Wallisellen! Dübendorf! Nix Silvesterzauber!
Sie sollte eines Besseren belehrt werden: Pünktlich um Mitternacht starteten von benachbarten Hausdächern die Feuerwerksbatterien. Und wir? Sassen gemütlich mit Cüpli an der Wärme auf dem weichen Sofa und bewunderten das Spektakel. (Kleinlaut, die einen von uns! 😉) Die Schweizerin weiss eben über die Gepflogenheiten in der Schweiz auch nicht einfach alles immer besser als der Deutsche!
Weitere Unterschiede und die Vorteile eines Lebens in der Schweiz findest du hier.
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2 Responses
Zum Thema allgemeine Feuerwerksverbote:
Diese kennen wir nicht nur wegen Trockenheit. Was vielen nicht bewusst ist: Das Abbrennen von Feuerwerk ist in der Regel nur am 1. August (vielleicht noch am 31. Juli) und am 31. Dezember (bzw. in der Nacht auf 1. Januar) gestattet. Dies ist in den jeweiligen Polizeiverordnungen der Gemeinden geregelt.
Danke für die Ergänzung. 🙂