Schweizer Schulsystem: Guide zur Bildung in der Schweiz

In die Schweiz auswandern

Schweizer Schulsystem: Guide zur Bildung in der Schweiz

Die Schulpflicht beginnt für Kinder in der Regel schon mit 4 Jahren. In diesem Beitrag schauen wir uns die verschiedenen Stufen des Schweizer Bildungssystems, angefangen beim Kindergarten – ein Bestandteil der schulischen Ausbildung – bis hin zum Gymnasium an. Ich beleuchte die einzigartigen Merkmale, die das Schweizer Schulsystem prägen und Familien, die in die Schweiz einwandern, kennen sollten. 

Vergleich mit Deutschland: Was macht die Schweiz besonders?

So wie in Deutschland auch, ist das Bildungssystem nicht zentralisiert. Das Schulsystem wird grösstenteils von den Kantonen verwaltet. Dies führt zu unterschiedlichen Regelungen, die schon bei den Namen der Schulformen zu erkennen sind. Die höchste Schulform wird beispielsweise im Kanton Zürich als Gymnasium bezeichnet, während es im Kanton Schaffhausen «Kantonsschule» genannt wird. 

Ein herausragendes Merkmal des Schweizer Schulsystems ist die Mehrsprachigkeit. Einerseits werden Schüler in der lokalen Sprache (Deutsch, Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch) unterrichtet, andererseits lernen die Schüler eine zweite Landessprache und Englisch. Die zweite Landessprache ist in der Deutschschweiz oft Französisch, was gerade für Kinder von Einwanderern aus Deutschland eine Herausforderung sein kann, da sie unter Umständen Unterrichtsstoff nachholen müssen.

Schulsystem Schweiz: Mehr Leistung wird gefordert

Aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit Einwanderern habe ich den Eindruck, dass das Leistungsniveau in den Schweizer Schulen insgesamt höher ist als in Deutschland. Einerseits scheint es, dass von den Schülern generell mehr Leistung erwartet wird und die Lehrkräfte die Leistungen oft strenger bewerten als in Deutschland. Andererseits ist die reguläre Schulzeit in der Schweiz auch merklich länger.

So gehen beispielweise die Kinder in der Regel schon mit vier Jahren in den Kindergarten, wo sie bereits spielerisch mit grundlegenden Fähigkeiten wie Rechnen, Schreiben und Lesen vertraut gemacht werden. Der Kindergarten ist Teil des obligatorischen Bildungssystems und somit Pflicht. 

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Ebenfalls ein wichtiger Unterschied zu Deutschland stellen die Unterrichtszeiten dar. In der Schweiz (Achtung: regionale Unterschiede!) findet der Unterricht morgens und – je nach Schulstufe zwei bis vier Mal – nachmittags statt, mit Mittagspausen, in welchen die Kinder grundsätzlich zu Hause sind.

Sind beide Elternteile arbeitstätig und ausser Haus, bestehen schulergänzende Betreuungsmöglichkeiten vor und nach dem Unterricht sowie über Mittag. Diese Betreuung («Hort») ist jedoch kostenpflichtig. Mittwochnachmittags ist traditionell schulfrei. 

Das obligatorische Schulsystem der Schweiz

Primarstufe

Das Schulsystem in der Schweiz sieht eine elfjährige Schulausbildung vor. In der Primarstufe, die acht Jahre dauert, sind auch zwei Jahre Kindergarten eingeschlossen. Die Kosten für das obligatorische Schulsystem werden vom Kanton und Gemeinde getragen. Für die Eltern fallen in der Regel keine Kosten an – übrigens auch nicht für Bücher, Hefte und Stifte, wie dies in Deutschland häufig der Fall ist.

Hier als Beispiel zwei Bilder mit Materiallisten von einer Schule in der Schweiz sowie einer Schule in Deutschland:

Materialliste für die 1. Klasse einer Schule in der Schweiz.
Materialliste für die 1. Klasse einer Schule in Deutschland.

Sekundarstufe I

Die Sekundarstufe I, die normalerweise drei Jahre umfasst, bietet eine differenzierte Bildung. Die Schüler werden je nach Fach in unterschiedliche Leistungsgruppen eingeteilt, wobei verschiedene Modelle angewendet werden, wie etwa separate Klassen oder Klassen mit Niveauunterricht in bestimmten Fächern. 

Sekundarstufe II

Nach Abschluss der Sekundarstufe I stehen Jugendlichen zwei Bildungswege offen: Eine berufsorientierte Ausbildung («Lehre») oder ein allgemeinbildender Weg (Gymnasium).

Berufsorientierte Ausbildung

Die Lehre: Diese umfasst in der Regel drei bis vier Jahre. Bei erfolgreichem Abschluss erhalten die Auszubildenden das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ).

Berufsmaturität: Neben oder nach der Lehre kann die Berufsmaturität erlangt werden, mit der schliesslich ein Studium an einer Fachhochschule möglich ist. Mit einer zusätzlichen Passerellen-Ergänzungsprüfung öffnet sich auch der Weg zu kantonalen Universitäten und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH).

Allgemeinbildende Ausbildung

Gymnasium/Kantonsschule: Für die Aufnahme ist meist das Bestehen einer anspruchsvollen Prüfung und ein bestimmter Notendurchschnitt nötig. Für die Prüfungsvorbereitung werden – häufig nicht ganz billige – Kurse angeboten. Der Wechsel aufs Gymnasium kann direkt nach der Primarschule (in das Langzeitgymnasium mit Latein) oder nach zwei oder drei Jahren Sekundarstufe I (in das Kurzzeitgymnasium) erfolgen. 

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Fachmittelschulen (FMS): Nach drei Jahren erlangen die Schüler den Fachmittelschulausweis und können höhere Fachschulen besuchen. Mit einem zusätzlichen Jahr und dem Fachmaturitätszeugnis eröffnen sich Möglichkeiten an verschiedenen Fachhochschulen.

Weiterführende Bildungswege im Schweizer Schulsystem

Auf der Tertiärstufe bietet das Schweizer Bildungssystem verschiedene weiterführende Bildungswege an, die erweiterte akademische und berufliche Möglichkeiten eröffnen:

  1. Universitäre Hochschulen: Diese Kategorie umfasst die kantonalen Universitäten sowie die Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH Zürich und EPFL Lausanne). Sie bieten eine breite Palette an Studiengängen.
  • Fachhochschulen (FH) und Pädagogische Hochschulen (PH): Die Fachhochschulen konzentrieren sich auf praxisorientierte Studiengänge, die eng mit der Berufswelt verknüpft sind. Pädagogische Hochschulen sind auf die Ausbildung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften spezialisiert.
  • Höhere Berufsbildung: Diese Bildungsstufe bietet Weiterbildungsmöglichkeiten durch eidgenössische Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen. Sie zielt darauf ab, Fach- und Führungskräfte in verschiedenen Branchen weiterzubilden und zu spezialisieren.

Die Lehre ist hoch angesehen

Während in Deutschland der Fokus stark auf akademischer Bildung liegt, bietet die Schweiz ein ausgewogenes Verhältnis zwischen akademischer und beruflicher Bildung. Der Anteil an Studiumsberechtigten liegt in Deutschland bei 48,4 %. In der Schweiz liegt der Anteil bei 42,7 %. Davon ist jedoch nur knapp die Hälfte an Universitäten zugelassen werden, während es in Deutschland vier Fünftel sind. 

Deutschland:

  • Gesamt 48,4 %
  • Allgemeine Hochschulreife 39,1 %
  • Fachhochschulreife 9,3 %

Schweiz:

  • Gesamt 42,7 %
  • Gymnasiale Maturitätsquote 22,6 %
  • Berufsmaturitätsquote 16,2 %
  • Fachmaturitätsquote 3,9 %

Bei diesem Vergleich fällt die deutlich niedrigere gymnasiale Maturitätsquote auf, die im Gegensatz zu der Berufsmaturität ein Studium an einer Universität ermöglicht. 

Die Lehre ist hoch angesehen und wird von vielen Jugendlichen bewusst gewählt, um mit einer praktischen Ausbildung ins Berufsleben zu starten, auch wenn sie definitiv vorhaben, zu studieren. Statistiken zeigen, dass Menschen mit Berufslehre und anschliessendem Studium häufig mehr verdienen als Menschen, die «nur» studiert haben.

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Hohes Bildungsniveau

Die Schweiz hat ein hohes Bildungsniveau. Dies spiegelt sich beispielsweise in den PISA-Studien wider, wo Schweizer Schüler oft besser abschneiden als die Schüler aus Deutschland und Österreich – und das sogar trotz einer deutlich höheren Ausländerquote (mit häufig anderen Muttersprachen als Deutsch): 26,0 % in der Schweiz zu 14,6 % in Deutschland.

Ergebnisse der PISA-Studie von 2022:

LandLesekompetenzMathematikNaturwissenschaften
Schweiz483508503
Österreich480487491
Deutschland480475492
Die Punktzahlen repräsentieren die durchschnittlichen Leistungen in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Quelle: OECD

Internationale Schulen

Im Vergleich zu anderen Ländern bietet die Schweiz eine breite Palette an internationalen und bilingualen Schulen. Dies macht das Land besonders attraktiv für Expats und internationale Familien.

Fazit zum Schweizer Schulsystem

Mit der Vielfalt an Bildungswegen, von der frühkindlichen Bildung im Kindergarten bis hin zu universitären und beruflichen Ausbildungen, ermöglicht das System eine flexible Bildungslaufbahn mit hoher Durchlässigkeit. Die starke Betonung der Mehrsprachigkeit bereitet Schüler nicht nur auf die lokale, sondern auch auf die globale Arbeitswelt vor. Zudem zeichnet sich das Schweizer Schulsystem durch ein hohes Bildungsniveau aus, wie PISA-Studien belegen.

Besonders bemerkenswert ist die hohe Wertschätzung der beruflichen Bildung in der Schweiz. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Lehre immer mehr an Ansehen verliert, bietet die Schweiz eine ausgewogene Mischung aus akademischer und beruflicher Ausbildung mit hoher Durchlässigkeit.

P.S.: Hier ein Video, im dem ich mit einem deutschen Lehrer spreche, der in der Schweiz unterrichtet.

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Christian der Auswanderluchs

 

2 Responses

  1. A
    Annabella sagt:

    Schöner Beitrag,
    liebe Grüsse von einer ebenfalls ausgewanderten Saarländerin (Saarbrigge), seit 2 Jahren im Rentenalter und nicht die geringste Lust wieder nach D zurückzukehren. Die Schweiz ist toll.

    Annabella

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