Schweizer Pass – Highlight des Abenteuers Schweiz 🇨🇭🤩

Den Schweizer Pass kriegt man nicht geschenkt: Im Einbürgerungsverfahren werden Freunde, Nachbarn, der Arbeitgeber und die Mitglieder der Gemeinde zum Antragsteller befragt. Und dann folgt noch ein anspruchsvoller Test.
Lars ist als Deutscher Anfang der 2000er Jahre in die Schweiz gezogen. Als Pflegefachkraft hat er hier schnell einen guten Job gefunden und sich beruflich zum Informatiker weiterentwickelt. Vor zwei Jahren traf er die Entscheidung, Schweizer werden zu wollen.
Warum wolltest du den Schweizer Pass haben?
(Lacht) Diese Frage wird als erste und dann andauernd im Einbürgerungsverfahren gestellt. Darauf sollte sich jeder vorbereiten.
Der Bezug zu Deutschland wurde bei mir im Laufe der Jahre immer weniger. Anfangs war ich noch oft zu Besuch in meiner Heimatregion. Mit der Zeit wurden die Besuche jedoch immer seltener. Das Leben in der Schweiz hat mich verändert. Meine Sprache, mein Denken, meine Mentalität und meine Umgangsformen sind schweizerischer geworden.

In ruhigen Minuten habe ich mich gefragt: Wo gehöre ich eigentlich hin? Auch die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, wieder nach Deutschland zurückzugehen, konnte ich irgendwann nicht mehr mit ja beantworten. Mein Zuhause ist die Schweiz. Ich bin eigentlich schon lange Schweizer.
Ein weiterer Grund für die Einbürgerung war der Wunsch, die Schweiz politisch mitgestalten zu können. Wir haben hier die direkte Demokratie und viele Abstimmungen pro Jahr. Wenn im Kollegenkreis darüber diskutiert wurde, konnte ich nie richtig mitreden.
Wie lange hat der Entscheid, die Einbürgerung anzugehen, reifen müssen?
Das war ein langer Prozess, über Jahre hinweg. Das fängt irgendwann mal an und dann schiebt man es vielleicht auch wieder zur Seite. Dann wurde es immer drängender die Frage zu beantworten: Wo fühle ich mich zugehörig?
Die Corona-Zeit hat für den letzten Schub gesorgt. Mir wurde klar: Ich lebe in der Schweiz und ich muss mich mit der Corona-Politik der Schweiz befassen. Deutsche Nachrichten haben mir in dieser Zeit nichts gebracht. Mein Lebensmittelpunkt ist hier. Hier gehöre ich hin.
Wie war der Ablauf der Einbürgerung?
Die erste Anlaufstelle für die Einbürgerung ist die Gemeinde, in der man lebt. Dort bin ich hingegangen und habe mein Anliegen erklärt. Die Mitarbeiter waren sehr offen. Mir sind dann die Dokumente gereicht worden mit einigen Ausführungen zu den Unterlagen, welche ich noch bringen musste.
Einen der grundsätzlich üblichen Einbürgerungstest im Sinne eines Wissenstest musste ich nicht machen, da mein Studium in der Schweiz als Schulzeit angerechnet wurde. Vom Sprachtest bin ich ebenfalls befreit gewesen, denn als Deutscher muss man in der Deutschschweiz keinen Sprachtest ablegen.
Ich habe die ersten Dokumente mit den Hinweisen, was alles zu organisieren ist, als erste Hürde empfunden. Es war nicht immer alles selbsterklärend und teilweise etwas kompliziert.
Das Einreichen eines Referenzberichts vom Arbeitgeber hört sich für mich eigenartig an. Was hat es damit auf sich?
Im Referenzbericht vom Arbeitgeber geht es mehr um die Persönlichkeit des Einbürgerungswilligen, nicht um die Arbeitsleistung.
Wie lange hast du gebraucht, um alle Dokumente beieinander zu haben?
Rund 2,5 Monate hat es gedauert, bis ich alle Dokumente beieinanderhatte und der Gemeinde übergeben konnte. Einiges konnte man auch online bestellen. Etliche Dokumente können aber nur per Post bestellt werden. Ein Dokument hat zwischen 15 und 20 Franken gekostet.
Weiter ging es mit dem Einbürgerungsgespräch vier Monate nach Abgabe der Dokumente. Davor hatte ich am meisten Respekt. Obwohl ich keinen Einbürgerungstest machen musste, habe ich mich so vorbereitet, als wenn ich einen Wissenstest hätte machen müssen. Ich wollte auf jedwede Frage, die da kommen könnte, vorbereitet sein.
Nervosität im Einbürgerungsgespräch
Dann kam es zum Einbürgerungsgespräch. Ich war nervös, ähnlich wie bei einem Vorstellungsgespräch. Das Gespräch ist dann aber sehr gut gelaufen. Die Leute, die mir gegenübersassen, waren sehr nett und haben versucht, die Situation zu entspannen.
Anwesend waren die stellvertretende Gemeindepräsidentin, drei weitere Personen aus der Sicherheitskommission und eine Mitarbeiterin, die das Protokoll geführt hat. Das Gespräch lief ähnlich wie ein Vorstellungsgespräch ab: Wer sind Sie? Was ist Ihre Motivation? Sie haben ja bereits einen Ausweis C – wieso wollen Sie einen Schweizer Pass?
Fragen wie bei einem Einbürgerungstest wurden viel weniger gestellt, als ich gedacht habe. Wenn ich den Eindruck hatte, dass sie mein Wissen testen wollten, war das immer in Bezug auf die Gemeinde. Eine Frage war zum Beispiel: Wenn Sie hier in der Gemeinde essen gehen würden, zu welchem Restaurant würden Sie gehen? Der Bezug zur eigenen Gemeinde wird sehr grossgeschrieben. Deswegen möchten man auch gerne, dass man sich mit der Gemeinde, in der man lebt, auseinandersetzt.
Eine Frage wurde mir gestellt, bei der ich aufgeschmissen war: Es ging um die einzelnen Gemeindeteile. Ich konnte zwar beschreiben, wie die Gemeinde aufgebaut ist und wo ich was finde, aber einige Gemeindeteile konnte ich nicht mit Namen benennen. Da rutschte mir das Herz in die Hose. Zum Abschluss des Gesprächs wurde mir jedoch signalisiert, dass ich mir wegen dieser Frage keine Sorgen machen müsste.
Wurde deine Einbürgerung mit den Bürgern der Gemeinde in einer Versammlung besprochen?
Nein, das war bei mir nicht der Fall. Es gibt aber Gemeinden, in denen öffentlich über die Einbürgerung abgestimmt werden muss.
Wie ging es dann bei dir weiter?
Mit dem Einbürgerungsgespräch war für mich quasi der Gipfel erreicht. Danach lag es nicht mehr in meiner Hand. Vier Wochen nach dem Gespräch wurde von Seiten der Gemeinde meiner Einbürgerung zugestimmt. Dies jedoch zunächst unter Vorbehalt, da noch die Zustimmung von Kanton und Bund ausstanden. Das ist aber ein normaler Ablauf im Prozedere und in der Regel «Formsache». Theoretisch könne der Prozess ab da noch weitere zwei Jahre dauern, wurde mir gesagt. Der Kanton Bern sei jedoch ein eher schneller Kanton.
Was sich dann auch bewahrheitet hat. Nach fünf Monaten kam dann eine Rechnung über 100 Franken vom kantonalen Migrationsamt. Erst nach Bezahlung würde der Prozess weitergeführt werden, hiess es. Zwei bis drei Monate später habe ich die Urkunde über das Gemeindebürgerrecht per Post erhalten.
Um den Schweizer Pass zu erhalten, habe ich einen Termin bei der Passstelle gebucht. Dort wurde dann ein Foto gemacht und es wurden Fingerabdrücke aufgenommen. Nur zwei Tage später war mein Schweizer Pass zum Abholen bereit.
Ein ganz besonderer Moment
Das war dann ein ganz besonderer Moment für mich. Ich habe deswegen die Mitarbeiterin gebeten, dass Tempo herauszunehmen. Ich wollte diesen emotionalen Augenblick geniessen. Auch später im Auto musste ich kurz durchatmen. Ich habe den Pass angeschaut und meine Partnerin angerufen. Das war für mich ein sehr emotionaler Augenblick, obwohl die Auseinandersetzung mit dem Thema ja schon seit Jahren lief.
Dieser Augenblick, meinen Schweizer Pass in den Händen zu halten, ist das Highlight des Abenteuers Schweiz. Jetzt habe ich die Antwort auf meine vielen Fragen, die ich eingangs erwähnte: Ich bin Schweizer.
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