Nichts ist gratis – nicht mal das Sterben? In der Schweiz schon fast!

In die Schweiz auswandern

Nichts ist gratis – nicht mal das Sterben? In der Schweiz schon fast!

Wie läuft eigentlich eine Beerdigung in der Schweiz ab? In der Schweiz sagt man gerne «nüt isch gratis, nöd mal s’Sterbe!» («Nichts ist gratis, nicht mal das Sterben!») Als wir kürzlich selber einen Trauerfall im Schweizer Teil der Verwandtschaft hatten, erwartete ich natürlich, dass die Beerdigung sehr hohe Kosten verursachen würde. Ich sollte aber überrascht werden: Vieles ist hier ganz anders organisiert als in Deutschland – und oft deutlich günstiger.

Bestatter? Kaum im Einsatz

In Deutschland ist es meiner Erfahrung nach üblich, dass der Bestatter nahezu alles übernimmt – von der Abholung des Verstorbenen über den Verkauf des Sargs oder der Urne bis zu den Trauerkarten und der Traueranzeige in der Zeitung. Ich dachte also, der erste Schritt nach dem Versterben des Verwandten wäre der Gang zum Bestatter. Aber Tensha, meine Frau, schaute mich nur verständnislos an.

Denn hier in der Schweiz läuft das ganz anders und sie kennt aus ihrer Familie nur, dass die Familie alles selbst organisiert. Nach dem Ausstellen der Todesbescheinigung durch den Arzt erfolgt der Gang zur Wohnortsgemeinde für die Meldung des Todesfalls. Dort erhalten die Angehörigen Unterstützung für die Organisation der nächsten Schritte wie etwa die Organisation des Bestatters für die Abholung der Leiche sowie die allfällige Abdankung in der Kirche.

Urne und Grab über die Gemeinde

Die Auswahl der Urne und des Grabes erfolgte direkt bei der Gemeinde. Beliebt – wie auch in Deutschland – sind Gemeinschaftsgräber, die sich über einen Rasen erstrecken. Was neu für mich war: Die Urne musste aus selbstauflösendem Material sein. Ich weiss jedoch nicht, ob das generell so gilt oder nur für Bestattungen in Gemeinschaftsgräbern.

In vielen Gemeinden wird, wenn ein Sarg benötigt wird, dieser sogar von der Gemeinde gestellt. Das hat mich beeindruckt – besonders, weil in der Schweiz die Steuern niedrig sind. Im Hochsteuerland Deutschland dagegen muss der Sarg privat bezahlt werden – dabei kommt schnell mal ein vierstelliger Betrag zusammen.

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Trauerkarten über die Druckerei

Auch die Trauerkarten und die Anzeige in der Zeitung liefen nicht über einen Bestatter, sondern über eine örtliche Druckerei. Es war etwas mehr Eigeninitiative, Redaktionstätigkeit und Teamfähigkeit gefragt – aber es war alles gut machbar. Der Text wurde von den Angehörigen selbst verfasst und der Druckerei geschickt, die Druckerei wiederum schickte die Todesanzeige direkt zur Zeitung des Bezirkes. 

Der Ablauf – mit einer Besonderheit

Die Bestattung selbst erfolgte kirchlich und wurde von einem Pfarrer begleitet. Das lief so ab, wie ich es auch aus Deutschland kenne. Eine Besonderheit gab es dennoch: Die eigentliche Trauerfeier fand nach der Beisetzung statt, nicht davor. Das wurde von den Angehörigen so gewünscht. Generell ist zu erwähnen, dass bei der Gestaltung der Trauerfeier in der reformierten Kirche sehr viel Freiheit besteht für eine individuelle und persönliche Gestaltung, welche direkt in Absprache mit dem Pfarrer erfolgt. 

Das Leidmahl – Raum für Begegnung

Nach der Trauerfeier kamen Verwandte, Freunde und Nachbarn zusammen zu einem gemeinsamen Leidmahl in der örtlichen «Beiz» (Restaurant). Es war ein ruhiger, würdevoller Ausklang, bei dem Erinnerungen geteilt und gemeinsam getrauert, aber auch mit Anekdoten über den Verstorbenen gemeinsam gelacht wurde. So wie er es sich sicherlich gewünscht hätte.

Günstiger als erwartet

Am meisten überrascht haben mich die Kosten. Für die gesamte Bestattung – inklusive Einäscherung, Urne, Grab und Feier – fiel ein mittlerer vierstelliger Betrag an. Und das im Kanton Zürich, einer der teuersten Regionen der Welt. Zum Vergleich: Für denselben Betrag wurde meine Grossmutter im Jahr 2000, also vor 25 Jahren, in Deutschland beerdigt. Und das war damals noch die günstige Variante.

Wenn ich allerdings länger darüber nachdenke, überraschen mich die relativ geringen Kosten hier wiederum nicht. Die Schweizer zeigen sich einfach einmal mehr von ihrer pragmatischen und unbürokratischen Seite; wenn etwas auch ohne Weiteres erledigt werden kann, braucht und will man auch keinen teuren Vermittler – wie eben ein Bestatter – dazwischenschalten.

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Die Gemeindebehörden sind als erste Anlaufstelle behilflich, die Druckerei gibt einen ein Buch mit Texten von Traueranzeigen mit und der Pfarrer kennt noch eine Sängerin, welche er direkt für die musikalische Begleitung der Trauerfeier anfragt. Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, braucht es den Bestatter lediglich noch für die eigentliche Bestattungstätigkeit. 

Fun fact: Nichtsdestotrotz hat die Schweiz eine Serie und einen Film zu genau diesem Thema – «Der Bestatter». Gut, um Schweizerdeutsch in allen Dialekten zu lernen oder auch in der synchronisierten Version auf Netflix erhältlich.

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Christian der Auswanderluchs

 

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