Nach langer Zeit wieder beim Arzt – Abläufe, Kosten und Qualität in der Schweiz 🇨🇭👨🏻⚕️

Ein bakterieller Infekt hat mich letzthin seit langem zu einem Arzt veranlasst. Dazu ist anzumerken, dass nur der Infekt alleine natürlich nicht gereicht hätte, um mich in die Knie zu zwingen, auch Tensha drängte mich hartnäckig zu diesem Gang. In diesem Beitrag soll es aber nicht um meine Krankheit gehen, sondern hauptsächlich darum, wie so ein Arztbesuch in der Schweiz abläuft und was er kostet.
Kein «Männerschnupfen»
Zuerst hatte Tensha, meine Frau, eine Erkältung. Dann zeigten sich auch bei mir die ersten Symptome, und wenig später bekam auch der Gremlin, unsere Tochter, die Krankheit. Allerdings verschlechterte sich bei mir der Zustand zunehmend: Das Fieber sank trotz grosser Mengen Ibuprofen und Paracetamol kaum, Husten und Atembeschwerden nahmen zu. Tenshas Drängen auf einen Arztbesuch ebenfalls, was ungewöhnlich war, geht sie doch sonst in der Regel – wie viele Frauen bei ihren Männern – davon aus, dass ich einen kleinen «Männerschnupfen» habe und übertreibe. Jedenfalls buchte ich schliesslich online einen Termin, was sehr fix und bereits für den nächsten Tag klappte.
Termin
Obwohl ich nun schon fast ein Jahrzehnt in der Schweiz wohne und schon einige Male in der Schweiz beim Arzt war, gehe ich immer noch vor jedem Arztbesuch fälschlicherweise von langen Wartezeiten aus – wie ich dies halt aus Deutschland kenne. Ich sollte es eigentlich besser wissen. Und auch dieses Mal sollte sich meine Befürchtung nicht bewahrheiten, obwohl gerade Hochsaison mit Erkältungskrankheiten war. («Es gaht öppis ume!» – «Es geht etwas herum!», wie Schweizer zu sagen pflegen, wenn sie hören, dass jemand krank ist.)
Bereits nach zehn Minuten im Wartezimmer wurde ich zur Blutentnahme gerufen. Und direkt im Anschluss daran konnte ich zum Arzt durchgehen. Dieser attestierte mir dann einen bakteriellen Infekt und verschrieb Antibiotikum. Nicht ungern rapportierte ich zuhause bei Tensha die Bemerkung des Arztes, dass ich mich «hierfür aber noch gut halte»! 😉
Der gesamte Ablauf beim Arzt lief somit nicht nur reibungslos und ohne grosse Wartezeiten ab, sondern endete auch noch mit einer kleinen Genugtuung… 😉
Kosten des Arztbesuchs
Die Kosten für meinen Arztbesuch lagen bei insgesamt 187.15 Franken, was etwas höher war als bei früheren Behandlungen. Ich muss jedoch sagen, dass meine letzte Behandlung einige Jahre her ist und damals auch keine Medikamentenkosten für das Antibiotikum auf der Arztrechnung standen. Da ich meine Franchise noch nicht erreicht habe, muss ich den vollen Betrag selber bezahlen. Dazu aber mehr weiter unten.

Kleine Information für die Leser aus der Schweiz, die das deutsche System vielleicht weniger kennen: In Deutschland, wenn man gesetzlich krankenversichert ist (was auf den Grossteil der Bevölkerung zutrifft), bekommt man in der Regel im gesamten Leben keine einzige Arztrechnung zu Gesicht. Es weiss daher kaum je jemand, was der eigene Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt kostet.
Medikamente: Ein grosser Vorteil in der Schweiz
Ein interessanter Unterschied zu Deutschland, den ich als grossen Vorteil empfinde, betrifft die Medikamentenabgabe. Als der Arzt mir sagte, dass ich ein Antibiotikum brauche, dachte ich sofort: «Hoffentlich hat die Apotheke noch offen!» Doch zu meiner Überraschung hatte der Arzt, als er mich zum Ausgang begleitete, das Antibiotikum bereits in der Hand.
In der Schweiz verfügen alle Arztpraxen, in denen ich, Tensha oder der Gremlin je waren, über eine eigene «Hausapotheke». Dort sind zwar nicht alle Medikamente, aber die gängigsten vorhanden, sodass man direkt beim Arzt das Nötigste erhält und sich den Gang zur Apotheke oft sparen kann.

Versicherung und Kostenübernahme
Die Abläufe bezüglich Arztrechnung und Bezahlung der Kosten sind unterschiedlich. Bei mir ist es so, dass die Arztrechnung direkt an die Krankenkasse gelangt, jedoch mit Kopie an mich. Meine Krankenkasse bezahlt dann die Arztkosten. Im Anschluss erhalte ich eine separate Rechnung von der Krankenkasse. Die Höhe der Kosten hängt davon ab, wie viel der Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Aufgrund eines Lastschriftverfahrens wird bei mir der zu bezahlende Betrag direkt von meinem Bankkonto abgebucht.
Da dieses Jahr noch keine Arztkosten angefallen sind und ich eine Franchise in Höhe von 2’500 Franken gewählt habe, muss ich die Kosten für diesen Arztbesuch aus der eigenen Tasche zahlen.
Selbstbeteiligungen: Franchise und Selbstbehalt
Die Selbstbeteiligungen in der Schweiz setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: der Franchise und dem Selbstbehalt. Die Franchise liegt bei Erwachsenen zwischen 300 und 2’500 Franken pro Jahr. Das bedeutet, dass man die ersten Gesundheitskosten bis zur Höhe der gewählten Franchise aus der eigenen Tasche zahlen muss.
Je höher die gewählte Franchise, desto niedriger ist die monatliche Krankenkassenprämie. Umgekehrt gilt: Wer eine niedrigere Franchise wählt, zahlt höhere Krankenkassenprämien.
Zusätzlich zur Franchise gibt es noch eine zweite Selbstbeteiligung, den sogenannten Selbstbehalt. Dieser greift, sobald man die Franchise überschritten hat. Für alle weiteren Kosten, die über die Franchise hinaus anfallen, muss man 10 % der Kosten selbst bezahlen, jedoch maximal 700 Franken pro Jahr. Hier ein Beispiel, um das zu veranschaulichen:
Es steht eine Operation mit anschliessendem Spitalaufenthalt an. Die Kosten hierfür betragen 15’000 Franken. Ich würde davon 2’500 Franken an Franchise zahlen müssen plus 10 % der Gesundheitskosten (den Selbstbehalt) darüber hinaus. Der Selbstbehalt ist jedoch bei 700 Franken gedeckelt. Macht 3’200 Franken an Selbstbeteiligung für mich. Sollten im gleichen Jahr weitere Behandlungen nötig sein werden diese komplett durch die Krankenkasse bezahlt.
Franchise und Selbstbehalt: Wie man die richtige Wahl trifft
Experten empfehlen, die niedrigste Franchise von 300 Franken zu wählen, wenn man Gesundheitskosten von 1’840 Franken oder mehr im Jahr erwartet. Bei geringeren Kosten ist es sinnvoll, die höchste Franchise von 2’500 Franken zu wählen. Die Zwischenstufen, die es gibt, machen aus finanzieller Sicht keinen Sinn.
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