Löhne in der Schweiz: Warum verdienen Ausländer in Führungspositionen mehr? 🇨🇭🇪🇺

Alle zwei Jahre erscheint in der Schweiz eine detaillierte Statistik, die je nach Branche, Geschlecht und weiteren Faktoren die jeweiligen Löhne zeigt. Sehr spannend ist die Aufschlüsselung nach Aufenthaltstiteln. Ein genauerer Blick auf diese Lohndaten enthüllt grosse Unterschiede zwischen Schweizern und Ausländern.
Lohnunterschiede nach Aufenthaltsstatus
Das Bundesamt für Statistik unterteilt in den ersten Mitteilungen die Löhne nach Aufenthaltstitel zwischen «normalen» Angestellten und Führungskräften. Bei Angestellten ohne Führungsverantwortung liegen Schweizer erwartungsgemäss an der Spitze, gefolgt von Grenzgängern, Inhabern eines C-Ausweises und Inhabern eines B-Ausweises. Hier aufgelistet die jeweiligen Medianlöhne:
- Schweizer 6’496 Franken
- Grenzgänger (G-Ausweis) 5’859 Franken
- C-Ausweis 5’787 Franken
- B-Ausweis 5’300 Franken
Info: «Um den Vergleich zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten zu ermöglichen, werden die erhobenen Beträge auf standardisierte Monatslöhne umgerechnet, das heisst auf eine einheitliche Arbeitszeit von 4 1/3 Wochen zu 40 Stunden. Bruttolohnkomponenten: Bruttolohn im Monat Oktober (inkl. Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherung, Naturalleistungen, regelmässig ausbezahlte Prämien-, Umsatz- oder Provisionsanteile), Entschädigung für Schicht-, Nacht- und Sonntagsarbeit, 1/12 des 13. Monatslohns sowie 1/12 der jährlichen Sonderzahlungen (oder Boni). Nicht berücksichtigt werden die Familien- und Kinderzulagen.» Quelle: Bundesamt für Statistik
Der Unterschied zwischen Schweizern und Personen mit B-Ausweis beträgt rund 1’200 Franken. Damit verdienen Schweizer insgesamt betrachtet rund 23 % mehr. Ich denke, dass es hierfür viele Gründe gibt. Zum einen kann es sein, dass manche mit B-Ausweis relativ frisch in der Schweiz sind und schlecht verhandelt haben, als es um den Lohn ging.
Ein weiterer Grund für die höheren Löhne dürfte die grundsätzlich bessere Qualifikation der Schweizer im Verhältnis zu den ausländischen Personen sein. Das meine ich nicht hauptsächlich in Bezug auf deutsche Einwanderer, sondern Einwanderer aus anderen Ländern.
Mit einer deutschen Ausbildung ist man grundsätzlich gut qualifiziert aus Sicht von Schweizer Arbeitgebern. Jedoch gibt es durchaus Bereiche, in denen die Schweizer Ausbildungen (z.B. die Schweizer Berufslehre) als etwas höherwertiger empfunden werden.
Ausländische Führungskräfte haben höhere Löhne als Schweizer Kader
Spannenderweise kehrt sich dieses Muster jedoch um, sobald es um Führungspositionen geht. Hier zeigt sich, dass Ausländer deutlich höhere Löhne erhalten als ihre Schweizer Kollegen:
- B-Ausweis 12’791 Franken
- C-Ausweis 11’495 Franken
- Grenzgänger (G-Ausweis) 10’707 Franken
- Schweizer 10’476 Franken
Ausländische Führungskräfte, insbesondere jene mit einem B-Ausweis, verdienen also am besten. Dies könnte daran liegen, dass Ausländer oft für hochspezialisierte und leitende Rollen von ihrem Unternehmen in die Schweiz entsendet werden. Stichwort: Expats.
Info: Der Medianlohn zeigt, was die Mitte verdient. Das bedeutet, dass die eine Hälfte der Beschäftigten weniger und die andere Hälfte mehr als den Medianlohn verdient. Im Gegensatz zum Durchschnittslohn ist der Medianlohn resistenter gegen Ausreisser nach oben.
Nicht selten wird ihnen zum hohen Lohn auch noch eine Wohnung samt Möbeln gestellt und weitere Benefits gewährt wie etwa die Übernahme der Kosten für die Privatschule ihrer Kinder. Der Grund hierfür soll sein, die Angestellten möglichst nah ans Unternehmen zu binden und «Schmerzensgeld» für die Entfernung zu Freunden, Familie und Heimat zu zahlen.
Das würde auch den Lohnunterschied zwischen den Personen mit B-Ausweis und C-Ausweis erklären. Denn Expats bleiben meist nur wenige Jahre in der Schweiz, um danach weiterzuziehen. So kommen die entsendeten Expats oft erst gar nicht in den Genuss der Niederlassungsbewilligung (C-Ausweis).
Wieso Schweizer jedoch am wenigsten von allen Führungskräften verdienen, kann ich mir nicht wirklich erklären. Möglicherweise arbeiten sie im Vergleich häufiger in kleinen und mittleren Unternehmen oder in bestimmten Branchen, in denen tendenziell niedrigere Löhne gezahlt werden.
Löhne nach Branchen
Zwischen den verschiedenen Branchen gibt es grosse Unterschiede im Lohngefüge, wie das Bundesamt für Statistik zeigt. Hier die Medianlöhne nach Branche:
- Tabak 13’299 Franken
- Banken 10’491 Franken
- Pharma 10’296 Franken
- Informationstechnologie 9’412 Franken
- Grosshandel 7’414 Franken
- Maschinenbau 7’245 Franken
- Luftfahrt 6’980 Franken
- Bau 6’410 Franken
- Detailhandel 5’095 Franken
- Gastgewerbe 4’601 Franken
- Beherbergung 4’572 Franken
- Persönliche Dienstleistungen 4’384 Franken
Löhne nach Grossregion
Ein weiterer interessanter Aspekt sind die regionalen Lohnunterschiede. In den Zentren des Finanzwesens und der Pharmaindustrie werden die höchsten Löhne gezahlt. Hier die Medianlöhne nach Grossregion:
- Zürich 7‘229 Franken
- Nordwestschweiz 6‘969 Franken
- Genferseeregion 6‘849 Franken
- Zentralschweiz 6‘779 Franken
- Espace Mittelland 6‘752 Franken
- Ostschweiz 6‘344 Franken
- Tessin 5‘590 Franken
Fazit
Abschliessend zeigt sich, dass die Lohnunterschiede in der Schweiz von vielen Faktoren beeinflusst werden, die über die reine Nationalität hinausgehen. Vielleicht liefert das Bundesamt für Statistik im Laufe des Jahres weitere Zahlen, die ein noch klareres Bild zeigen. Insgesamt liegt der Medianlohn in der Schweiz übrigens bei 6’788 Franken pro Vollzeitstelle.
Quelle: Bundesamt für Statistik
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