Kampf um faire Preise in der Schweiz – Migros greift Nivea an

Viele Schweizer kaufen wegen niedrigerer Preise regelmässig in Deutschland, Österreich, Frankreich oder Italien ein. Insbesondere Drogerieartikel wie Shampoo, Duschgel, Hautcremes usw. sind dort oft erheblich günstiger. Ein Teil des Problems liegt darin, dass einige Hersteller gezielt höhere Preise für den Schweizer Markt verlangen. Die Migros geht daher jetzt gegen den Nivea-Hersteller Beiersdorf aus Hamburg vor.
Kaufkraft wird abgeschöpft
In früheren Blogbeiträgen habe ich bereits gezeigt, dass importierte Produkte in der Schweiz bis zum Doppelten oder gar Dreifachen des deutschen Preises kosten können. Diese enormen Preisunterschiede lassen sich nicht durch höhere Kosten in der Schweiz – etwa für Mieten der Geschäftsräumlichkeiten oder Personal – erklären. Die Gründe für die höheren Preise können bspw. folgende (bzw. eine Kombination daraus) sein:
- Ein Zwischenhändler – der auch verdienen muss – dient als Importeur
- Der Hersteller verlangt von Schweizer Händlern höhere Preise, als von deutschen Händlern
- Detailhändler gibt höhere Kosten (Personal etc.) an den Kunden weiter
Migros vs. Beiersdorf
Ein aktuelles Beispiel ist der Streit zwischen Migros und dem Beiersdorf-Konzern, der die Marke Nivea vertreibt. Laut einem Bericht der NZZ zahlt die Migros für Nivea-Produkte deutlich höhere Einkaufspreise (bis über 70 %) als deutsche Einzelhändler. Dies will der Schweizer Detailhändler nun nicht mehr hinnehmen.
Trotz intensiver Verhandlungen blieb Beiersdorf bislang hart und will nicht entgegenkommen. Der Konzern bestreitet die hohen Preisunterschiede und verweist auf «branchenübliche Konditionen». Doch die Migros lässt nicht locker.
Migros hat daher Beiersdorf bei der Wettbewerbskommission (WEKO) wegen überhöhter Einkaufspreise angezeigt. Sie will erreichen, dass sie die gleichen Konditionen erhält wie die deutschen Einzelhändler. Dadurch könnte die Migros die Preisvorteile an ihre Kunden weitergeben – und zugleich dem Einkaufstourismus entgegenwirken.
Mögliche Auswirkungen der WEKO-Entscheidung
Ob die WEKO die Preisunterschiede tatsächlich aus dem Weg räumen kann, bleibt ungewiss. Experten sind jedoch skeptisch. Beispielsweise fehlen in der ersten Phase einer Untersuchung direkte Sanktionsmöglichkeiten.
Ich persönlich glaube, dass die Angelegenheit letztlich auf eine Einigung zwischen Migros und Beiersdorf hinauslaufen wird. Öffentlicher Druck könnte dabei für die Migros von Vorteil sein.
Falls es nicht zu einer Einigung kommt, könnte eine engere Zusammenarbeit mit deutschen Partnern wie Edeka eine Lösung des Problems sein. Beide Unternehmen haben in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet – vielleicht in Zukunft auch beim Einkauf…?
Was kommt als Nächstes?
Es bleibt spannend, wie dieser Streit ausgeht. Sollte sich die Migros durchsetzen, könnte das Auswirkungen für andere Hersteller haben – etwa für Henkel, dessen Waschmittel in der Schweiz ebenfalls erheblich teurer sind als in Deutschland. Langfristig könnten bei zahlreichen Produkten Preissenkungen folgen. Ich werde die Entwicklungen jedenfalls weiterverfolgen und dich auf dem Laufenden halten.
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