In der Schweiz wird Einkommen besteuert, das man gar nicht hat

Stell dir vor, der Staat verlangt von dir Steuern auf ein Einkommen, das du nie bekommst. Klingt absurd? Willkommen in der Schweiz! Wer hier ein Eigenheim besitzt, muss den sogenannten Eigenmietwert versteuern – also so tun, als würde er seine eigene Wohnung oder sein eigenes Haus vermieten und dafür Miete kassieren. Ein fiktives Einkommen, das real gar nicht existiert, aber trotzdem deine Steuerlast erhöht. Für viele Einwanderer ist das einer der überraschendsten – und ärgerlichsten – Punkte im Schweizer Steuersystem.
Was ist der Eigenmietwert?
Der Eigenmietwert ist ein fiktiver Betrag, den Mieter zahlen würden, wenn man nicht im eigenen Haus wohnen, sondern die Immobilie vermieten würde. Steuerlich wird also so getan, als ob man diese Einnahmen hätte – auch wenn man sie nicht wirklich bekommt. Die Idee dahinter: Eigentümer sollen für den Vorteil, «gratis» im eigenen Haus zu wohnen, zur Kasse gebeten werden.
Wie wird er berechnet?
Die Höhe des Eigenmietwerts wird von den kantonalen Steuerbehörden festgelegt. Faktoren sind etwa Lage, Grösse, Baujahr und Standard der Immobilie. Jeder Kanton hat eigene Bewertungsmodelle, weshalb es Unterschiede gibt. Am Ende erscheint der Eigenmietwert als fiktives Einkommen in der Steuererklärung und erhöht so die Steuerlast.
Vorteile für den Staat – Nachteile für Eigentümer
Aus Sicht des Staates sorgt der Eigenmietwert für eine Gleichstellung zwischen Mietern und Eigentümern. Kritiker sehen das jedoch anders: Eigentümer werden auf «Phantom-Einkommen» besteuert, das sie real nie in der Tasche haben. Besonders hart trifft es Pensionierte, die zwar schuldenfrei im Eigenheim wohnen, aber von einer vergleichsweise kleinen Rente leben müssen.
Abzüge und Gegenrechnung
Dem Eigenmietwert stehen gewisse Abzüge gegenüber. So können Eigentümer Hypothekarzinsen sowie Unterhalts- und Renovationskosten abziehen. Das führt dazu, dass viele Hausbesitzer ihre Hypothek bewusst nicht ganz zurückzahlen, weil die Zinsen steuerlich entlasten. Schuldenmachen kann dadurch steuerlich attraktiv wirken.
Politische Diskussion
Seit Jahren wird über die Abschaffung des Eigenmietwerts gestritten. Mehrere Initiativen dazu sind bisher gescheitert. Befürworter halten ihn für fair, weil er steuerliche Gleichheit schafft. Gegner finden ihn unzeitgemäss und sehen eine unnötige Belastung für Eigentümer. Ob der Eigenmietwert irgendwann fällt, ist offen – im Moment sieht es jedoch so aus, als würde er bald abgeschafft werden.
Fazit
Der Eigenmietwert ist eine schweizerische Eigenheit, die viele Einwanderer erst einmal verwundert. Wer ein Eigenheim besitzt, muss Einkommen versteuern, das er gar nicht erhält. Für manche ist das eine bittere Pille, für andere schlicht Teil der Steuerlogik.
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2 Responses
Hallo Christian,
ist das der Ersatz für unsere Grundsteuer in D? Oder kommt die auch noch dazu?
Vg
Paul
Hallo Paul
Die Grundsteuer in Deutschland ist ja quasi eine Vermögenssteuer auf Immobilien. Der Eigenmietwert ist jedoch eher eine Kapitalertragssteuer. Aber ja, grundsätzlich werden in beiden Ländern Immobilienbesitzer zur Kasse gebeten. (In der Schweiz jedoch durch die Vermögenssteuer und den Eigenmietwert.)
Viele Grüsse
Christian