Deutsche, Schweizer und das liebe Geld 🇨🇭🇩🇪

In die Schweiz auswandern

Deutsche, Schweizer und das liebe Geld 🇨🇭🇩🇪

Gastbeitrag von Tensha:

„Schaffe, schaffe, Häusle baue!“, kenn ich schon von Kindesbeinen an als Motto der Deutschen. Um es vorweg zu nehmen: Meine Eltern haben es ähnlich gemacht; viel gearbeitet und alles Geld in das Haus investiert. Ein bisschen anders nehme ich es trotzdem wahr, wie es mit dem Eigenheim hier in der Schweiz und dort in Deutschland ist. Und überhaupt, das liebe Geld! Ein Thema, welches hüben und drüben komplett unterschiedlich angegangen wird.

Während die Schweizerin Gespräche über Finanzen eher meidet, scheint Geld und alles drum herum eines der Lieblingsthemen der Deutschen zu sein! 😉 Und das ist nicht etwas, das mir erst mit dem Auswanderluchs auffiel, in meinem Umfeld ist es eigentlich seit je her ein running gag, dass die Deutschen gerne aufs Geld achten und noch lieber darüber reden (aber trotzdem nicht ans längerfristige Sparen denken)…

Finanzen bei Schweizern und Deutschen

Uns Schweizer fasziniert das natürlich, denn nie kriegen wir unverblümteren Einblick in die Finanzen von anderen Menschen, als wenn man Deutsche zu seinen Bekannten zählen darf. Was meine Freunde verdienen? Was sie ausgeben? Wie viel ihr Auto, der neue Weinschrank, die chice Handtasche gekostet hat? Wie viel sie auf der hohen Kante, wie viel er geerbt hat? Weiss ich nur von meinen deutschen Freunden und Bekannten. Und das nota bene ungefragt. 

Der Schweizer hingegen beginnt verlegen zu hüsteln, wenn es um Finanzen geht, windet sich heraus, schwadroniert etwas, tempiert alles herunter und sagt am Schluss: Gar nichts dazu. Das hat sich in den letzten Jahren zwar deutlich geändert, aber noch die Generation meiner Eltern, erst recht meiner Grosseltern, hätten den Teufel getan, zu erzählen, was an Einkünften oder Eigentum vorhanden ist. Weshalb dem so ist: Nicht etwa, weil man sich schämen würde, nur dieses oder jenes zu haben, sondern viel mehr aufgrund der ständigen Furcht, als Angeber zu erscheinen oder Missgunst zu wecken.

Über Finanzen spricht man nicht

Also wird: Nicht darüber geredet. Punkt. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Freundin, die von einem neuen Arbeitsverhältnis erzählt, zu fragen, wie viel sie denn jetzt verdient. Das höchste der Gefühle wäre eine Frage wie: „Und? Mit em Lohn bisch au zfriede?“ Und die Antwort dürfte dann lauten: „Ja, es isch ganz ordeli!“ oder: „Chli meh als vorher, aber gäll, ich han ja au nöd wäg em Lohn de Job gwächsled…“ Alles Idealisten, könnte man meinen… 

Tatsächlich ist es aber so, dass Geld für den Schweizer schon ein grosses, aber eben auch ein sehr privates Thema ist. Es kann gut sein, dass man mit einem Schweizer befreundet ist und jahrelang denkt, er lebe in einer Mietwohnung, während er tatsächlich längst praktisch hypothekfreies Wohneigentum besitzt. Derselbe Schweizer wird auch beharrlich von seinem Häuschen im Tessin oder dem Wöhnigli in den Bergen erzählen, wo er ab und zu hin fährt. Bis man zum ersten Mal vor Ort ist und merkt, dass es sich um ein Zweifamilienhaus oder eine 5-Zimmerwohnung handelt… 

Deutsche und Schweizer können voneinander profitieren

Vom unterschiedlichen Umgang mit Geld können Schweizer und Deutsche aber fraglos von einander profitieren. Der Deutsche wird auf jeden Fall mit der Zeit lernen, genauer hinzuhören. Die Schweizerin klotzt selten, wenn sie Geld hat, aber mit subtilen Fragen wird man subtile Antworten erheischen und letztlich auch Einblicke in die Finanzen erhalten. Geldmässig wird jedoch in der Schweiz eher über Anlagestrategien und Sparpläne und weniger über Einnahmen und Ausgaben gesprochen. Auch wie ordentlich budgetiert wird, ist allgemeines Know-how in der Schweiz.

Kostenloses Konto für Deutsche Auswanderer in der Schweiz Gutschein AWLZAK Zak Erfahrungsbericht

Kostenloses Konto für Deutsche Auswanderer in der Schweiz Gutschein AWLZAK Zak Erfahrungsbericht

Kindern (anno dazumal mir!) wird von klein auf beigebracht, dass auf der Chilbi (Kirmes) mit dem Fünfliber (Fünf-Franken-Stück) in der Hand nicht das erstbeste Gut ergattert wird. Es gilt vielmehr, die Marktstände rauf und runter zu spazieren und die feil gehaltene Auslage vorab genauestens zu studieren, um keinen Fehlkauf zu riskieren. Jedes Kind weiss hier auch, dass gespart werden muss und zwar nicht nur auf den nächstbesten Kinderwunsch, sondern für Fernziele wie Fahrprüfung oder einfach, für wenn man mal in Not ist.

Kredite und Schulden in der Schweiz

Und: Kredite und Schulden sind immer und in jeder Hinsicht und insbesondere im Hinblick auf Konsumgüter ein absolutes No-go, um nicht zu sagen des Teufels. Einzige Ausnahme: Die Hypothek fürs Eigenheim. Die darf dann dafür – im Gegensatz zu Deutschland – in der Schweiz ein Leben lang dauern. Kein Mensch zahlt hier seine Hypothek ab – nur schon aus steuerlichen Überlegungen. Auf die Idee, auszurechnen, bis wann man die Hypothek abstottert, ist ein Gedanke, den ich zum allerersten Mal aus deutschem Munde gehört habe. 

So weit also zur Finanzerziehung in der Schweiz. Feilen können wir definitiv noch an der Offenlegung der Löhne bzw. der allgemeinen Einnahmen und Ausgaben sowie natürlich an der Schnäppchenjagd – da bleiben die Deutschen die Meister ihres Metiers.

Quelle: Global Wealth Report 2019 der Credit Suisse

Und wie war es denn genau mit dem Auswanderluchs und mir? 

Ich persönlich habe nie besonders viel Aufhebens um das Thema Geld gemacht. Die Kehrseite war, dass ich selten eine Ahnung hatte und ehrlich gesagt immer noch nicht habe, was wie viel kostet. Fängt beim Liter Milch an und hört bei meiner Krankenkassenprämie auf. Das ständige Fragen („Wo hast du das gekauft? Was hat das gekostet? Weshalb hast du nicht das Mineralwasser im Angebot gekauft?) vom Auswanderluchs haben mich angefangen zu sensibilisieren und die Marschrichtung ist klar: „Den neuen Fonduecaquelon kaufen wir erst, wenn die Fondue-Saison vorbei und die Pfannen heruntergesetzt sind!“

Allerdings musste auch der Auswanderluchs noch einiges lernen in Sachen Budgetfragen, Sparplänen und hinsichtlich des Prinzips „Mehr fürs Produkt ausgeben und dafür weniger Ärger haben“ erst mal auf Kurs gebracht werden – inzwischen ist er sogar Aktionär geworden. Insgesamt war der Wissensaustausch jedenfalls beiden Portemonnaies zuträglich.

Quintessenz

Und die Quintessenz für den geneigten deutschen Leser, die interessierte deutsche Leserin: Wenn du das nächste Mal darüber lachst oder dich wundern solltest, dass die Eidgenossen so zugeknöpft sind in Finanzangelegenheiten: Sind sie tatsächlich. Aber bei vorsichtiger Gesprächsführung wird den Schweizern noch einiges zu entlocken sein – über ihre Finanzen und sein Geldmanagement. Und noch etwas: Bei uns ist das Auto kein Statussymbol; gut möglich, dass im 20-jährigen Saab eine Millionärin sitzt. Also keine Rückschlüsse vom Gefährt vor der Garage auf die Finanzen der Fahrerin! 😉

P.S.: Hier gehts zum Teil 2.

Smile Gutscheincode 50 Franken Gutschein smile Gutschein Code 50 CHF

Smile Gutscheincode 50 Franken Gutschein smile Gutschein Code 50 CHF

 

3 Responses

  1. T
    Tim K sagt:

    Na da bin ich ja mal gespannt.
    Ich dachte zugeknöpfter als in Deutschland würde es gar nicht gehen.
    In Deutschland habe ich nicht den Eindruck, dass man mit dem Thema Gehalt offen umgeht.
    Bei alltäglichen Käufen ist dies schon der Fall, vor allem wenn man ein Schnäppchen gemacht hat.

  2. n
    notting sagt:

    Muss stark widersprechen. Hier in Deutschland (zumindest in meinem Umfeld) wird auch eher selten über das Gehalt gesprochen. Z. B. was demnächst am Haus für wieviel erneuert werden muss oder was das aktuelle Auto oder Smartphone gekostet hat, darüber wird in der Tat häufiger gesprochen, z. T. auch ungefragt.
    Zudem haben auch meine Eltern mir früh beigebracht, dass immer wieder größere Wünsche aufkommen und man deswegen genügend sparen sollte.

    notting

  3. C
    Chris H. sagt:

    Man muss ehrlich sagen, dass bereits nach dem zweiten Satz klar ist, aus wessen Feder ein Beitrag stammt. Sorry Christian, aber sprachlich geht der Punkt eindeutig an die Schweiz.

    Inhaltlich kann ich hinsichtlich des Umgangs „der Schweizer“ mit dem Thema Geld und Finanzen sehr vieles bestätigen, bezüglich „der Deutschen“ muss ich aber gestehen, dass ich nach nunmehr elf Jahren hier in der Schweiz wohl schon starke Erinnerungslücken beklagen muss, denn darin finde ich mich nur in zarten Ansätzen wieder. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, zusammen mit Freunden bei einem Bier die eigenen Lohnzettel verglichen zu haben. Und die „mein Haus, mein Auto, meine Jacht“-Szene kenne ich auch nur aus dem Werbefernsehen.

    Aber das ist wohl das grundsätzliche Problem, wenn Artikel „die Schweizer“ mit „den Deutschen“ vergleichen……

    Eines muss ich aber dann doch noch anmerken: Dass das Auto in der Schweiz KEIN Statussymbol sein soll, passt nun so gar nicht zu der Tatsache, dass hier 233’000 CHF für eine Autonummer bezahlt wurden (zu diesem Thema hat mal ein Typ sogar ein Video auf Youtube veröffentlicht, gell……) Aber wahrscheinlich war das eben auch ein Deutscher, der nun durch die Zentralschweiz marschiert und den Leuten offensiv erzählt, er habe die teuerste Autonummer der Welt…… muss wohl so sein, denn wenn es ein Schweizer gewesen wäre, würde die Nummer jetzt heimlich, still und leise an einem 20jährigen Saab hängen…..

    Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr und viel Erfolg beim grossen Projekt der erfolgreichen Selbständigkeit. Ich freue mich schon auf weitere Beiträge hier und auf YT.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.