Deutsche in der Schweiz: «Ich arbeite nicht nur, um die Kita zu bezahlen.»

In den letzten Wochen erlangten zwei Deutsche in der Schweiz, mit ihren emotionalen TikTok-Videos grosse Aufmerksamkeit. Beide beschwerten sich über die hohen Lebenshaltungskosten in der Schweiz. Eine kündigte sogar an, die Schweiz deshalb zu verlassen.
Die eine sprach über die Kosten für die Kinderbetreuung, die sie viel zu hoch findet. In emotionalen Tonfall klagte sie: «Eine fu**ing Frechheit!» und «Ich arbeite nicht nur, um die Kita zu bezahlen!» Sie werde aufgrund dessen die Schweiz verlassen und zurück nach Deutschland ziehen.

Die andere äusserte sich frustriert über die ihrer Meinung nach unangemessen hohen Kosten für Müllsäcke. Sie behauptete gar, wäre sie als Flugbegleiterin nicht so oft unterwegs, würde sie mit ihrem bescheidenen Gehalt als Flugbegleiterin die Kosten für die Müllsäcke kaum tragen können. Was ist wahr an diesen Behauptungen?
Info: Im Preis für die Müllsäcke ist die Entsorgungsgebühr enthalten. 10 Abfallsäcke à 35 Liter kosten in Zürich 16.20 Franken, in Basel 23.00 Franken.
Die verborgenen Kosten in Deutschland
Diese zwei Aspekte – die Kosten für die Kinderbetreuung und Abfallentsorgung – sind beispielhaft dafür, wie Deutsche oft die wahren Kosten des Lebens unterschätzen. Das verwundert mich auch nicht, denn in Deutschland sind viele Ausgaben nicht unmittelbar ersichtlich. So werden die Abfallgebühren oft nur indirekt über die Miete bezahlt oder sind im Preis für Produkte mit dem Grünen Punkt inkludiert.
Ähnlich verhält es sich mit der Kinderbetreuung: Die Kosten für einen Betreuungsplatz sind, im Verhältnis zum Lohnniveau, in Deutschland ähnlich hoch. Diese Kosten werden jedoch grösstenteils durch die Steuerzahler getragen, in einigen Bundesländern sogar vollständig.
Im Jahr 2011 führte die Tamedia-Verlagsgruppe (z.B. Tagesanzeiger) einen Vergleich der Kinderbetreuungskosten in verschiedenen Regionen durch, um ein besseres Verständnis der finanziellen Belastung für Familien zu gewinnen. Überraschenderweise zeigte sich, dass die Kosten in der Schweiz nicht am höchsten sind.

Bei diesem Vergleich lag Frankfurt am Main an der Spitze, mit durchschnittlichen Vollkosten von 136.- Schweizer Franken pro Tag und Kind. Diese Kosten beziehen sich auf einen gemeinnützigen Träger. Die betrieblichen Krippen in Frankfurt sind dagegen etwas preiswerter und liegen bei 114.- Franken. Im Vergleich dazu sind Zürich mit 112.- Franken und Waadt mit 111.- Franken günstiger. Auch die Kosten in anderen Städten wurden analysiert: In Salzburg betragen sie 92.- Franken, während sie in Dresden bei 89.- Franken liegen.
Info: Alle aufgeführten Kosten sind unter Berücksichtigung der Kaufkraft, sowie wechselkurs- und inflationsbereinigt, um eine faire Vergleichsbasis zu gewährleisten.
Die Mentalitätsfrage und ihre Folgen
Das Unverständnis in Deutschland über die tatsächlichen Kosten des Lebens finde ich bedenklich. Es scheint, als würden immer mehr Menschen den wahren Wert der Lebenshaltungskosten aus den Augen verlieren und eine All-inclusive-Mentalität entwickeln. Den Politiker gefällt das natürlich, da ihre Macht steigt, wenn sie das Geld der Bürger über Steuern erhalten und über die bürokratischen Umverteilungsapparate ausgeben können.
Und wie sich aktuell zeigt, führt dies nicht zwangsläufig zu einem verbesserten Angebot. Seit 2013 gibt es das Recht auf einen Kitaplatz für unter dreijährige in Deutschland. Laut der Bertelsmann-Stiftung fehlen derzeit jedoch rund 430’000 Kitaplätze. Ich bin überzeugt, dass ein freierer Markt diese Fehlentwicklung verhindert hätte.
Kinderbetreuung: Ein Vergleich
Ein weiterer Kritikpunkt in der Diskussion um Kinderbetreuungsmodelle betrifft die Entscheidungsfindung der Eltern. Während in der Schweiz Eltern sorgfältiger abwägen, welches Betreuungsmodell am besten passt, neigen manche Familien in Deutschland auch dann zum Vollzeitmodell, wenn es nicht nötig ist.
In der Schweiz hingegen ist es üblich, nur die tatsächlich benötigte Betreuungszeit zu buchen. Der Grund dafür ist offensichtlich: Wenn die Kosten für die Kita grösstenteils selbst getragen werden, überlegen Eltern genau, welche Leistungen sie wirklich benötigen.
Diese Erfahrung habe ich auch persönlich gemacht. Als ich noch in Deutschland lebte, habe ich meinen Sohn oft zuhause behalten, obwohl wir eine Vollzeitbetreuung gebucht hatten. Die Kosten lagen sowieso nur bei rund 200,- Euro monatlich. Anders war das mit meiner Tochter hier in Zürich: Hier kostete ein Tag schon 120.- Franken – was gebucht wurde, haben wir daher auch bezogen.
Resümee zu Deutsche in der Schweiz
Während in Deutschland oft versteckte Kosten existieren, die durch Steuern oder verborgene Abgaben (Gelber Sack) bezahlt werden, spiegeln sich in der Schweiz die tatsächlichen Kosten deutlicher im Alltag wider. Dies führt zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen und Entscheidungen, wie wir anhand der Kinderbetreuung sehen.
Deutsche müssen daher in der Schweiz oft zuerst lernen, nur zu beziehen, was sie wirklich brauchen – von der Kinderbetreuung bis zu den Müllsäcken. So viel kosten letztere übrigens auch gar nicht, wenn man seinen Abfall ordentlich trennt und die Säcke vollstopft. Auch für Flugbegleiterinnen mit «bescheidenem Gehalt».
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2 Responses
Hallo sehr schöner Beitrag. Wir selbst sind seit 1.November in der Schweiz. Das mit den Kita kosten war uns bewusst da wir uns natürlich informiert haben. Aber zb. Bei uns in Bern wird die Kita gefördert . Da meistens beide arbeiten usw. Ist diese Förderung super und da ja der Verdienst des letzten Jahres in Deutschland angerechnet wird kommt das auch super hin. Deine Beiträge sind echt super 👍 viele grüsse Stefan
Hallo Stefan
Danke für das tolle Feedback.
Beste Grüsse
Christian