Das irritiert Deutsche in der Schweiz🇨🇭🇩🇪

In die Schweiz auswandern

Das irritiert Deutsche in der Schweiz🇨🇭🇩🇪

In der Schweiz läuft vieles anders als in Deutschland. Manche Deutsche stört oder irritiert das so sehr, dass sie die Idee der Auswanderung in die Schweiz verwerfen. Ironischerweise sind viele dieser «irritierenden» Gegebenheiten der Grund dafür, dass hier vieles so viel besser läuft. Heute zähle ich die Punkte auf, die ich im Laufe der Zeit zusammentragen konnte. Ich gebe zu, dass auch mich vieles zuerst irritiert hat.

Jede Person muss einzeln krankenversichert werden

Jede Person – auch jedes Kind – muss einen eigenen Beitrag für die Krankenkasse zahlen. Für viele Familien sind daher die Krankenkassenbeiträge der zweithöchste Kostenpunkt im Budget – direkt nach den Wohnkosten.

Zahnarzt ist nicht mitversichert

Über die Schweizer Krankenversicherung ist – im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland – der Zahnarzt nicht mitversichert. Man kann zwar eine Zusatzversicherung abschliessen, diese lohnt sich jedoch für Erwachsene in der Regel nicht. Bei Kindern sieht es anders aus: Im Hinblick auf Zahnkorrekturen lohnt sich eine Zahnzusatzversicherung oft.

Selbstbeteiligung bis zu 3’200 CHF bei der Krankenkasse

In der Schweiz gibt es bei der Krankenkasse zwei Selbstbeteiligungen: die Franchise und den Selbstbehalt. Die Franchise kann man in der Höhe zwischen 300 und 2‘500 Franken pro Jahr wählen. Die Höhe der Franchise bestimmt, bis zu welcher Summe die ersten Gesundheitskosten aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen. 

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Der Selbstbehalt beträgt 700 Franken pro Person und Jahr. Dieser kommt für die Kosten zum Tragen, die nach dem Erreichen der Franchise anfallen; jeweils 10% der Arztkosten (bzw. maximal 700 Franken) werden auch nach Erreichen der Franchise vom Patienten selbst übernommen. 

Einfaches Beispiel:

Du wurdest operiertet und die Kosten für die OP betragen 6‘000 Franken. Deine Franchise liegt bei 2‘500 Franken. Da du in diesem Jahr noch keine Arztkosten hattest, zahlst du damit 2‘500 Franken komplett selbst.

6‘000 Franken Gesamtkosten – 2‘500 Franken Franchise = 3‘500 Franken

Von den übrigbleibenden 3‘500 Franken zahlst du den Selbstbehalt in Höhe von 10% der Kosten, also noch 350 Franken. 

Würde die OP 15‘000 Franken kosten, würdest du 3‘200 Franken (2‘500 Franken Franchise plus 700 Franken Selbstbehalt) zahlen müssen.

Wichtig: Für Kinder gilt ein Selbstbehalt von maximal 350 Franken pro Jahr. Eine Franchise gibt es für Kinder in der Regel nicht.  

Wochenarbeitszeit in der Schweiz

Im Schnitt werden 41,8 Stunden pro Woche bei einer Vollzeitstelle in der Schweiz gearbeitet. Das liegt etwas über dem deutschen Schnitt von 40,5 Stunden pro Woche

25 Tage Urlaub im Schnitt

Der Urlaub wird in der Schweiz als Ferien bezeichnet. Im Durchschnitt haben die Schweizer rund 25 Tage Ferien pro Jahr, die sie nehmen dürfen. Damit liegt der Urlaubsanspruch etwas tiefer als in Deutschland.

Teure Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung ist in der Schweiz oft deutlich teurer als in Deutschland. In Zürich zahlt man beispielsweise 2‘600 Franken pro Monat und Kind für eine Vollzeitbetreuung von morgens früh bis abends spät.

Praktisch kein Kündigungsschutz

In der Schweiz gibt es praktisch keinen Kündigungsschutz. Arbeitgeber können grundsätzlich Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen innerhalb einer Kündigungsfrist kündigen. In der Praxis wird eine Kündigung jedoch als Ultima Ratio angesehen.  

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Keine Elternzeit

Es gibt zwar in der Schweiz auch Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen und mittlerweile auch Vaterschaftsurlaub von 2 Wochen, aber eine Elternzeit, wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht. Wenn die Mutter oder der Vater länger beim Kind bleiben wollen, als das Gesetz vorsieht oder die Firma zusätzliche Urlaubstage für Elternschaft gewährt, müssen sie unbezahlten Urlaub nehmen.

Deshalb läuft es in der Schweiz so gut

Trotz – oder besser gesagt wegen – dieser Punkte, die ich hier aufgezählt habe, läuft es in der Schweiz so gut, wie man leicht am Wohlstand der Menschen erkennen kann. Das liberalere System in der Schweiz fördert die Eigenverantwortung und sorgt dafür, dass die Gesellschaft insgesamt profitiert. 

Beispielsweise haben die Schweizer mit die gesündesten Zähne Europas. Arbeitgeber stellen aufgrund des niedrigeren Kündigungsschutzes schneller neue Leute ein. Die Kinderbetreuung ist zwar teuer, aber man bezahlt sie nur ein paar Jahre. Im Gegenzug profitiert man ein Leben lang von den niedrigen Einkommenssteuern.

Zur höheren Wochenarbeitszeit und zum niedrigen Ferienanspruch: Schweizer arbeiten häufig in Teilzeit. Die tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit liegt in der Schweiz nur unwesentlich höher als in Deutschland: 35,6 Stunden zu 34,7 Stunden. Ich kenne viele, die das Pensum reduziert haben, um sich an einem zusätzlichen Tag um die Familie zu kümmern oder um mehr Freizeit zu haben. Mit einem 80%-Pensum können sie sich trotzdem einen angenehmen Lebensstil leisten.

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Christian der Auswanderluchs

 

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